Theorie
Theoretischer Hintergrund der Feldenkrais-Methode


               
 


        Herr Feldenkrais, Erfinder der Feldenkrais-Methode     
      Dr. Moshé Feldenkrais      

 Kleiner Auszug aus der Theorie  
 der
Feldenkrais-Methode     

Angebote

 "Man versuche nicht auf einem verstimmten   
  Instrument einen richtigen Ton zu finden,
  
  sondern stimme das Instrument besser vorher,
  
  so kommt man schneller zum Ziel."
   
  (Dr. Feldenkrais)
    

 

Ganzheitlich: Dr. Moshé Feldenkrais geht nicht davon aus, dass irgendein Teil eines Menschen schlecht sei und ausgetauscht werden sollte. Auch die übliche Vorstellung von richtiger Haltung als einem statischen Zustand erscheint ihm nicht sehr lebensnah.

Statt von außen zu korrigieren, um Menschen an Idealvorstellungen anzupassen, sucht er nach Wegen innere Lernprozesse anzuregen. Er beschreibt das Gleichgewicht im Stehen als feine Pendelbewegungen um eine Mitte herum, als einen "labilen" Zustand, aus dem man mühelos und fließend zu anderen Körperhaltungen überwechseln kann. Er interessiert sich für die Dynamik einer Bewegung, für ihre Beziehung zur Schwerkraft.

Es ist für ihn eine unverrückbare Tatsache, dass gleichzeitig mit jeder menschlichen Bewegung immer auch Gefühle, Denken und Sinnesempfindungen anwesend sind. Es genügt ihm daher, sich auf die Bewegungen zu konzentrieren, um doch den ganzen Menschen zu erreichen.

Das Selbstbild: Auf die Frage, warum sich jeder von uns auf seine ganz eigene Art bewegt, antwortet Dr. Moshé Feldenkrais: "Wir handeln nach dem Bild, das wir uns von uns machen". Die Klärung und Weiterentwicklung dieses "Selbst-Bildes" wird zur übergeordneten Leitidee seiner Lektionen.

Seine drei Anteile: M. Feldenkrais gliedert das Selbst-Bild in einen ererbten, einen anerzogenen und einen dritten Teil, den er "Selbsterziehung" nennt:

1. Auf unser Erbgut haben wir keinen Einfluss. Mit dem Augenblick unserer Entstehung wird es festgelegt und macht jeden von uns einmalig.

2. Auch die frühe soziokulturelle Prägung, die uns zu Mitgliedern unserer Familie und unserer
Kultur werden lässt, haben wir nicht frei gewählt. Man bringt uns eine Sprache bei, eine Art
uns zu kleiden, zu essen und all die dazugehörenden Wertvorstellungen.

3. Mit "Selbsterziehung" spricht er jene Individualitäts-bildende Kraft an, die uns mit den ererbten Eigentümlichkeiten und den Einflüssen der Erziehung zu einer Persönlichkeit reifen lassen kann. Grundvoraussetzung für die Selbsterziehung ist allerdings die eigene Urteilsfähigkeit. Nur daraus erwachsen eigene Wertvorstellungen.

"Was mich interessiert, sind nicht bewegliche Körper,
sondern bewegliche Gehirne." (M. Feldenkrais)

Äußere Einflüsse: Er äußert sich sehr kritisch gegenüber den Wertungen unserer Leistungsgesellschaft, die sich selbst als Institution für weit wichtiger erachtet, als ihre einzelnen Mitglieder und deren Entwicklung. Wer der gesellschaftlichen Anerkennung bedarf, muss ihr nützlich sein und all jene Neigungen unterdrücken, die ihren reibungslosen Ablauf behindern würden. Mangel an Selbstwertgefühl führt so zur freiwilligen Anpassung an fremde Wertvorstellungen. Die Selbsterziehung wird zur Selbstkontrolle und verliert dadurch viel an Spontaneität und Lebensfreude. Oft bleibt weit über die Kindheit hinaus das Bedürfnis nach einer beurteilenden und anerkennenden Autorität erhalten.

Stärkung der Selbsterziehung: Durch das spielerische, absichtslose Erkunden von Bewegungen, ohne unter Leistungsdruck, Angst oder Spannung zu stehen, entwickelt sich eine genaue Selbstwahrnehmung. Je bewusster man sich selbst wahrnehmen kann, desto leichter fällt die Wahl zwischen verschiedenen Handlungsweisen. Das Urteilsvermögen gewinnt an Sicherheit und Überzeugungskraft. Wenn seine Schüler beispielsweise all zu ernsthaft bemüht sind, seinen Anweisungen zu folgen, schlägt der kleine, dicke und angriffslustige M. Feldenkrais vor: "So, und jetzt machen Sie es hässlich und schlecht!

Legen Sie sich nicht auf eine einzige Verfahrensweise fest, sonst stellen sie sich selbst unter Zwang. Wer sagt denn, dass es nicht einfachere, leichtere, Ihnen gemäßere Wege gibt? Und woher wollen Sie das wissen, solange Sie es nicht ausprobiert haben? Oder wollen Sie lieber Roboter sein, Automat?"
In Schulen sonst übliche Aufforderungen wie: "Streng dich ein bisschen mehr an! Du musst dir schon Mühe geben. Wenn du nicht an deine Grenzen gehst, bringt es nichts" bekommt man in diesem Unterricht nicht zu hören.
Vielen fällt es anfangs nicht leicht, ihre Bewegungen langsam, leicht und klein zu machen, anstatt groß, kräftig und schnell. Obwohl jeder in seiner Säuglingszeit einmal genauso angefangen hat.
Jeder hat einmal ganz eigenständig, ohne die Hilfe eines Lehrers durch Versuch und Irrtum herausgefunden, wie man greift, krabbelt, steht, spricht und geht. Und das sogar zumeist mit Genuss und Neugier.

M. Feldenkrais nennt es "organisches Lernen" und hält es, bewusst angewandt, für den effektivsten Weg, sich seiner Selbst, seiner Gewohnheiten und möglicher Alternativen bewusst zu werden und so das eigene Potential zu erweitern, das bei vielen Menschen zu einem großen Anteil einfach ungenutzt bleibt.

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